
Wer nicht wirbt, stirbt.
Doch als Kleinunternehmer sieht man sich gelegentlich finanziellen Engpässen gegenüber, die sind jenseits von Gut und Böse. Da investiert man wider besseren Wissens nur mit tiefen Seufzern Geld für Werbung und denkt an den letzten Wocheneinkauf im Billigmarkt, der von zehn Euro bestritten werden musste. Wer aber nun glaubt, solch ein Unternehmer sollte sich schleunigst arbeitslos melden und eine Festanstellung suchen, dem sei gesagt, dass vor fünf Jahren ein befreundetes Unternehmen genau an diesem Punkt war. An 10.000er-Mailings war nicht zu denken. Dabei hatte man Verträge mit Lieferanten, das Knowhow und den Willen nur kein Geld und keine Möglichkeit von irgendeiner Seite einen Kredit zu bekommen. Was blieb, war der tägliche Kampf und das Leben von der Hand in den Mund. Also wurden die spärlichen Einnahmen tapfer eingeteilt. Aus dem Bürohandel wurden weiße Präsentationsmappen besorgt und große Aufkleber für den Tintenstrahldrucker, CD-Etiketten und dann gingen Woche für Woche 4, 5, 10 oder auch mal 25 Mappen raus, je nach dem wieviel Geld eben dafür entbehrt werden konnte. Der Preis der einzelnen Mappe widersprach aller kalkulatorischen Vernunft. Kosten und Zeitaufwand für eine Mappe war viel zu hoch, doch die 150 Euro Materialkosten und die 200 Euro Portokosten konnte man erübrigen und Zeit hatte man noch mehr als genug.
Mühsam nährt sich das Eichhörnchen
Mappe für Mappe baute man sich einen Stammkundenkreis auf und mit jedem Wartungsvertrag, mit jeder Warenlieferung arbeitete man sich aus der Krise heraus. Die Zahl Wartungsverträge und Stammkunden ist heute so groß, dass das Unternehmen mit diesem Start rund 10 Mitarbeiter beschäftigt. Werbematerial wird heute von Dienstleistern effizienter hergestellt und verteilt. Als ich letztens im Picksraus von Esselte 25 Print&Present-Mappen für den Tintenstrahldrucker für 5 Euro entdeckte, da konnte ich gar nicht anders als zuzuschlagen. Auch wenn ich mir den Drucker leisten kann, der die Mappen produziert, schließlich erhält man bei Online-Druckereien 50 Stück davon schon ab ca. 150 Euro und 1000 Stück davon schon ab ca. 300 Euro, so konnte ich nicht widerstehen, ein wenig mit der Gestaltung von Mappen spielen zu können.
Es war eine Gelegenheit die Geschichte meines Unternehmerbekannten zu erzählen, Mut zu machen, ruhig auch einmal den kleinen, manuellen Weg im Unternehmensaufbau zu gehen.
Es ist sehr Schade, dass die Esselte-Mappen für den Tintenstrahl-Drucker im Netz nicht zu finden sind und ich keine Bezugsquelle ausser den Picksraus in Backnang weiß. Schließlich wenn man schon manuell Mappe für Mappe selbst produziert, dann ist das letztlich auch eine Gelegenheit, die Mappen individuell auf den Adressaten abzustimmen.
Einer Illusion sollte man sich allerdings bei diesem Unternehmensaufbau nicht hingeben. Es gibt keine Garantie und irgendwann wird man das eine oder andere Risiko eingehen müssen, Verlage, Designer und Drucker engagieren und sich von jetzt auf nachher gerade wieder in der Situation wiederfinden, dass man mit 10 Euro im Billigsupermarkt steht und überlegt, wie man damit überlebt und ob wohl bald wieder Geld ins Haus kommt. Es gibt dann aber einen Unterschied, dann wird die Wahrscheindlichkeit, dass die Knappheit schnell vorübergeht größer sein, denn mit konsequenter Arbeit, wurde der Kundenstamm von mal zu mal größer und von irgendeiner Seite kommt dann schon der Auftrag, der das Elend beendet.