Mein Name ist bedeutungslos. Ich stamme nicht von den Cäciliern ab auch bin ich kein Unterpfand. An meinen Namen knüpften meine Eltern keine Erwartungen. Die Wahl wurde phonetisch getroffen. Der hübsche Klang war ausschlaggebend. Ist das nun das Ende der Geschichte oder Anfang der Geschichte. Ich habe meine Person und meine Geschichten an den Namen geknüpft. Als nichthistrorische Figur oder Figur von geringem öffentlichen Interesse, werden mit mir die meisten der Geschichten, die ich mit meinem Namen verbinde, aus der Welt entgültig verschwinden.
Nun bin ich ein Individuum, dessen soziologischer Kontext bis ins kleinste Dokumentiert ist. Ich kann aus dutzenden von Quellen entnehmen, wie das Leben einer deutschen Frau im Schwäbischen verläuft. Welche kulturelle Vergangenheit mein Denken und meine Kultur heute prägen. Welche Politik von der Mehrheit meines Volkes durch gewählte Volksvertreter das Geschehen beherrscht.
Ein Stück meines Weltbildes wollte ich heute Nacht erweitern. Ich war auf der Suche nach der Perspektive des nordamerikanischen Indianers. Ausgangspunkt war der Eigentumsbegriff. Immer wieder wenn man den Eigentumsbegriff diskutiert, stößt man auf die indianische Sichtweise, dass Land niemand besitzen kann.
Mit Hilfe der Sonne wurde die Erde geschaffen. Die Erde und ich, wir sind eins. Der Eine, der das Recht hat, über das Land zu verfügen, ist der Eine, der es geschaffen hat.
(Chief Joseph)
Das klingt sehr romantisch und ist tierisch bedeutungsschwanger. Wow! Wie aber haben Indianer gelebt? Waren diese nicht auch in Stämmen unterteilt, die in bestimmten Gebieten lebten und gab es nicht Kämpfe unter den Stämmen, wer über die Ressourcen des Landes verfügen kann, wer darauf leben, wandern und jagen darf? Und schon klingt der Satz wie das MamboJambo unserer Philosophen und Kirchenfürsten und hat wenig mit der Realität zu tun. Diesen Gedanken verfolgt, wollte ich wissen, was Indianer von ihrer Geschichte erzählen. Doch es scheint, dass im Internet nur wenig zu finden ist. Allein schon losgelöst von dem Wort Indianer eine Selbstauskunft im Netz zu finden, ist nicht so einfach wie ich es erwartet hätte. Überall begegnet man der Sichtweise des weißen Mannes, den Missionaren und Kolonialisten, der weißen Eroberer. Sioux ist das Schimpfwort der Franzosen für die Lakhota. Es hat einige Klicks gedauert, bis ich auf der offiziellen Seite der Lakhota ankam. Denn allgemein wird das "h" nicht mitgeschrieben. Angekommen auf der offiziellen Seite der Lakhota auch bekannt unter der "Bezeichnung" Sioux, findet man schließlich die Geschichte der Sioux, wie sie von Microsoft erzählt wird. Ausgehend von der Site, scheinen die Lakhota kein Interesse zu haben, ihre Geschichte zu erzählen. Das Authentischste, das ich auf der Site entdecken konnte, war das Wörterbuch. Bemerkenswert ist, dass die Sprache der Lakhota zwischen Mann und Frau unterscheidet. Sie verwenden unterschiedliche Endungen.
Im übrigen scheint alle hauptsächlich Folklore zu sein. Vorläufig werde ich mich also mit meinem Kalr May und Holliwood getrübten Bild vom nordamerikanischen Indianer begnügen.