Direktmarketing: In letzter Konsequenz

Tante Emma ist tot. Tante Emma wusste noch von jedem Dorfmitglied, welche Farbe die Unterschwäsche hat und wer mit wem, ... kannte die Lieblingssuppensorte von jedem ihrer Kunden. Heute kennt der Mitarbeiter des Konzerns nicht einmal den Namen, des Kunden, was nicht am Bildschirm des Mitarbeiters aufpoppt gehört nicht zur Kundeninformation. So mancher Konzernführer rechnet die Minuten die mit Smalltalk verbracht werden und engagiert angesichts der Kosten Telefonautomaten zur Rationalisierung. Ergo kommt der Tante Emma-Effekt nicht zu stande, bei der Informationen von Mensch zu Mensch getragen werden und zum bunten Mischmasch aus unwichtigen und wichtigen Dingen irgendwo im Kopf der Personen herumschwirren. Der Konzern muss um diesen Effekt simmulieren zu können schon detektivisch vorgehen, jede Überwachungsmethode und ausgefeilte Datenauswertungsalgorythmen erfinden und nutzen, will er das erreichen.

Ich für meinen Teil will nicht vollgepappt mit Etiketten und Eigenschaften vom Konzern vorgekaut bekommen, was ich mag oder zu mögen habe, weil mein Profil entsprechendes auswirft. ich will nicht auf Schritt und Tritt beobachtet werden, nur damit die Werbung zu mir passt. Ich für meinen teil finde es schön, wenn mich mal jemand überrascht.

Ich will nicht, dass mich ein Moloch kennt. ich habe kein Problem, wenn mich Herr Müller-Meier-Schmidt kennt, weil wir des öfteren plaudern, wehe aber die Urlaubsvertretung weiß, was Herr Müller-Meier-Schmidt weiß. Dies würde ich als groben Vertrauensbruch werten.

Ich finde auch die (meine) Startseite bei Amazon extrem dröge und fantasielos. Bietet mir die stupide Software doch nun schon seit Monaten die ewig selben Videos an, nur weil ich mir Mal einen Teil der Folgen einer Serie dort gekauft habe, heißt das ...

  1. nicht, dass ich nicht auch andere Interessen habe.
  2. nicht längst die Angebote zum Rest der Serie über eine andere Quelle bezogen hätte.
  3. Oder auch nur mein Wunschzettel irgendeine Aktualität aufwiese. Ich habe besseres zu tun als auf X Shopseiten, bei denen ich aus einer Laune heraus einen Wunschzettel ausfüllte, diesen aktuell zu halten.

Mir ist also deutlich lieber ein dubbelige Direktwerbung zu erhalten, als dass Konzerne anfingen auf Teufel komm raus in meinem Privatleben herumzuschnüffeln um dann die Aufgabe ihrer Software zu übergeben, die mir dann doch nur veraltete und langweilige Angebote macht. Lieber doof und neutral als langweilig und persönlich.

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One Response to “Direktmarketing: In letzter Konsequenz

  • 1
    Bjoern Hasse
    February 17th, 2007 11:26

    So habe ich das noch gar nicht gesehen. Aber irgendwie keimt da der Gedanke in mir, dass Du gar nicht so Unrecht hast…
    Lieber anonym als trotzdem doof. Schön

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