500Eurobrötchen: Abstraktion, Welten trennen und Alternativen nutzen

Ein Alarmschrei gibt zu bedenken, warum das 500 Euro Brötchen eben doch eine Sauerrei sei: Anmerkung zum Brötchen

Der Autor schreibt:

Klauen ist nicht ok; dem kann man in dieser Pauschalität nur zustimmen. Das Problem ist, daß diese Argumentation einer vulgarisierten Form juristischen Denkens folgt. Das Recht arbeitet mit Verallgemeinerung, mit Abstraktion. Das muß es, weil nicht für jede individuelle Existenz ein eigenes Gesetzbuch geschrieben werden kann. Das Recht ist darauf angewiesen, daß es möglich ist, eine Vielzahl verschiedener Fälle an derselben, immer gleichen Regel zu messen. So weit so gut. Aber der freie gesellschaftliche Diskurs ist keine Gerichtsverhandlung. Was man leider allzuoft vergißt: Die juristischen Regeln sind die Abstraktion; die vielen verschiedenen Sonderfälle sind die Realität, nicht umgekehrt. Deshalb haben wir keinen Grund, im freien Austausch zwischen Menschen eine juristische Argumentation automatisch für die bessere, wahrere zu halten. Eher im Gegenteil. Die Natur stattet uns mit der Fähigkeit aus, über unsere Sinne, Emotionen und Denktätigkeit die Realität mit all ihren Nuancen und Schattierungen in einer Differenzierung zu erfassen, hinter welcher die Sprache weit zurückbleibt und die Rechtslogik noch viel weiter. Wird die formaljuristische Argumentationsweise genutzt, um jene Fähigkeit zum Schweigen zu bringen und zu delegitimieren, hat die Gesellschaft viel verloren und das Recht nichts gewonnen.

Und schließlich handelt es sich hier noch nicht einmal um juristisches Denken, sondern um eine vulgarisierte Form davon, weil das moderne Recht längst über ein unterschiedsloses »geklaut ist geklaut« hinaus ist und Fragen wie die, wer, was, warum, wieviel, von wem usw. geklaut hat, selbstverständlich in seine Bewertung einbezieht. »Geklaut ist geklaut«, das ist, wie es mein Freund Butch Spatz neulich in anderem Zusammenhang ausdrückte, logisches Kleinbürgertum.

Korrekt. Und:

  1. Im Einzelfall stellt man fest, dass die Bilder nicht gemeinfrei waren und sind. Sondern dem Urheberrecht unterliegen.
  2. Im Einzelfall stellt man fest, dass mit nur etwas wenig recherche man erfahren hätte, dass es im Netz zahlreiche Quellen gibt, die Bildmaterial gemeinfrei oder doch zumindest kostenfrei unter die creative commons zur Nutzung frei stellt.
  3. Im Einzelfall stellt man fest, dass der Brötchennutzer den Schaden gar nicht bewerten kann, den er anrichtet.
  4. Zur einträglichen Verwertung benötigt man beim derzeitigen Stand der Dinge drei Komponenten, Aufmerksamkeit und Kontrolle und Begehrlichkeit.

Ich wage sogar zu behaupten, dass der Brötchennutzer sich keine Gedanken darüber gemacht hat. Wer sagt uns denn, dass nicht Verträge existieren, die das Brötchen und alle anderen Bilder unter der Domain mit einer Gewährleistung versehen wurden, dass diese nur auf einer limitierten Anzahl Domains erscheinen und dass der Publizist sich verpflichtete, Verstöße gegen diese Limitierung zu ahnden. Bei solch einer Vertragsklausel ist die Vertragstrafe nicht weit. Dass es hier in diesem Fall vermutlich nicht so ist, spielt keine Rolle, denn auf eine Schöpfungshöhe kommt es nicht an und eine besondere Kennzeichnung ist nach geltendem Recht nicht erforderlich.

Wie in allen Gewässern in denen man sich bewegt, muss man die Fahrtiefe, die Klippen und Sandbänke kennen und wer wenig Abenteuerlust verspürt sollte sich auf sichere Fahrwasser beschränken, wie z.B. Bilder im Creative Commons aus vertrauenswürdigen Quellen oder aber eigene Bilder produzieren.

Wer nicht in sicheren Fahrwassern bleiben will, muss und darf sich nicht wundern, wenn er gekapert wird.

Dass das nicht schön ist und dass im Internet dies das Gespräch erheblich beeinträchtigt, ist richtig und richtig ist auch, dass dies der Gesellschaft nicht gut tut. Zollschranken haben noch nie gut getan. Dass es den Systemen besser geht, wenn Zölle fallen, konnte mehr als einmal beobachtet werden. Doch dann müssen für den Kreativen andere Möglichkeiten geschaffen werden, wie er sein kreatives Werk, das die Gemeinschaft nutzt und schätzt für seinen Lebenserhalt verwerten kann. Genau hier ist noch keine geeignete Lösung in Sicht.

Die Fülle des gemeinfreien und der CC-Lizenzen machen es den Kreativen ohnehin schon schwer. Was bleibt ist die rigorose Durchsetzung des Exklusiven mit den Mitteln des Rechts — des Urheberrechts!

Ein Anfang in Bezug auf Bildquellen: Yotophoto

Eine andere Abmahnpraxis wäre wünschenswert. Wünschenswert wäre aber auch, dass die Belieibigkeit, mit der Urheberrechte verletzt werden, aufhört und man sich, wenn es bessere alternative Quellen gibt, sich um diese bemüht.

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Abgelegt unter: Ethik, Verhaltensmuster, Vermarktung

2 Responses to “500Eurobrötchen: Abstraktion, Welten trennen und Alternativen nutzen

  • 1
    Horst Schulte
    January 31st, 2007 23:26

    Schöne Darlegung. Hätte ich doch vorher nur so erhellende Berichte zum Thema gelesen. Ich wäre um einige Hundert Euro reicher und müsste mir nicht noch Hohn und Spott vieler Blogger- Kolleginnen und -Kollegen anlesen.

  • 2
    Silke Schümann
    February 1st, 2007 06:25

    Wie das so im Leben ist, … wer den Schaden hat …

    Sollte dieser Beitrag als Hohn und Spott empfunden werden, dann bitte ich das zu verzeihen, er ist nicht so gemeint.

    Das Problem ist, dass man im Netz viele Bilder findet, die teilweise mit sehr strengen Verträgen vom Urheber zur Nutzung frei gegeben werden und zwischen Quelle und Urheber so mancher Zwischenhandel erfolgen kann, das heißt die Nutzungsrechte können äußerst trickreich werden.

    Die Bildsuche Google ist und bleibt keine Ressource um Bildmaterial für die eigene Website zu ziehen. Vielleicht einmal von Bulletpoints und anderen einfachen Elementen abgesehen, die man aber ebensogut auch selbst erzeugen könnte.

    Und die Information ist weit verbreitet. Ich korrigiere Forenbeiträge die empfehlen bei Google-Image zu schauen, grundsätzlich, dass dies eine blöde Idee ist und welche Alternativquellen existieren. ZUmindest wenn ich dort einen Account habe.

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