Es wird aktuell viel gebloggt,
weil das Saftblog nicht mehr bloggen will und das aus verständlichen Gründen. Hier nur ein paar Gedanken von meiner Seite:
[Gedanke 1] Der Staat lässt sich nicht von Terroristen erpressen.
Mag sein nicht von Terroristen, dennoch wird ein eigenes Gesetz erlassen auf die Drohung eines Sportbundes, der einen uralten Kult um Sportwettkämpfe der zurückgeht bis 400 700 vor Christi aufleben lässt und vermarktet, Länder als Veranstaltungsort auszuschließen.
Ich nenne das Erpressung und auch noch kurzsichtig. Schließlich geht es um nationales Recht und wer verbietet es einer Nation seine eigenen Spiele nach dem olympischen Gedanken auszurichten.
Vergißt der "Staat" hier nicht seinen Auftrag gegenüber dem "Volk"?
Ab einer entsprechenden Zahl von Nullen verlieren die Herren Staatsmänner dann wohl insgesamt an Rückgrat. Und reden diese Staatsmänner nicht regelmäßig mit einander? Wer hat hier eigentlich die Marktmacht. Ist der IOC nicht der Mops, könnte er nicht seine Olympischen Spiele in den mächtigen großen Wirtschaftsstaaten mehr abhalten.
Wieso also existiert ein Gesetz, das effektiv den Gebrauch eines Wortes verbietet, das zurückgeht auf die alten Griechen? Egal ob wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Diskurs.
[Gedanke 2] Kulturverfall und Kulturraubrittertum
Ich nenne es Raubrittertum, solange Kulturgüter wie die Olympischen Spiele, die lateinische Sprache, berühmte Bildwerke vergangener Epochen, wie die Mona Lisa, Glühbirnen an Bauwerken aus dem abklingenden 19. Jahrhundert dazu führt, dass man sich mit Abmahnungen und Streitwerten bis zu 150.000 Euro auseinandersetzen muss und man unter 1.000 Euro keine Abmahnung im Bereich Wirtschaftsrecht ad acta zu legen ist kann. Will man sein Recht bis in die letzte Instanz verteidigen, dann geht das meist nicht unter einer 5-stelligen Summe. Darauf folgt die Gegenreaktion: immer mehr Kulturgüter werden unter wirtschaftlichen Schutz gestellt und sind solange dort bis keiner mehr sich findet, der auf diese Schutzrechte einen Besitz beansprucht. Das ist Feudalrecht. Wir schaffen einen neuen Adel, der wie einst die Könige seine Vasallen schröpft. Welchen Unterschied macht es, ob für ein Land Pacht anfällt oder für den Gebrauch eines Wortes.
Wie damals gehen die Büttel durch das Land und drangsalieren jeden, der das Privileg des "Rechteinhabers" verletzt.
Wie einst der Sonnenkönig in Frankreich, haben diese neuen Herren längst alles Maßhalten abgelegt. Haben sie doch auch ein neues Land, in dem das Aufspüren der "Wilderer" ein leichtes ist. War es einst egal, wenn ein Kneipenwirt mit Farbfernseher in der Zeitung die olympischen Ringe abdruckte und zum Glotzen der Spiele in die Kneipe einlud, so ist heute alles digitalisiert und auf Knopfdruck erfasst und für die Büttel der neuen Herren aufbereitet. Diese müssen auch nicht mehr sich in ihre Sattel schwingen. Ein Fax, eine E-Mail oder ein Schreiben mit der Post. Keine halbe Stunde und aus den Textbausteinen zum Rechtekatalog ihrer Herren schon haben die Büttel mit dem Kürzel RA einen neuer Knüppel fertig, der wieder eine arme Sau erwischt, die froh ist, wenn er nur mit einer kleinen "Strafpacht" davon kommt und nicht nach zweiter Instanz vor dem Scherbenhaufen seiner Existenz sitzt. Allenfalls hat der Geschundene das moralische Recht auf seiner Seite, was aber nichts daran ändert, dass man beim Rechtspoker nicht mehr mitbieten kann, gleichgültig wir gut das Blatt auf der Hand ist.
Der Saftblog ist nicht der erste der Prügel bezieht, weil er nicht alle Privilegien der neuen Herren kannte und er wird nicht der letzte sein und die neuen Privilegien werden mehr werden. Solange bis die gebrügelten Bauern es nicht mehr ertragen. Ich schätze mich glücklich, bereits zu wissen, dass die olympischen Ringe Tabu sind, aber der Tag wird kommen, bei dem ich ein zweites Mal in gutem Glauben auf meine Kultur und meine Sprache zurückgreife und dafür teuer Lehrgeld bezahlen werde und dann kostet es vielleicht nicht nur mein Herzblut, das ich über eine Website vergoß, die ich mit liebe aufgebaut hatte und vom Netz nehmen musste.
Wer wagt es hier noch Kulturgüter anzufassen, insbesondere da jeder zweite irgendwie schon in einen wirtschaftlich-unternehmerischen Kontext gebracht wird und damit unter das Marken- und Wettbewerbsrecht gezwungen wird. Und auch wenn es wie hier um echtes Unternehmertum geht, so geht es in dem Blog eben dennoch primär um den Dialog von Mensch zu Mensch und im konkreten Streit um zwei sehr ungleiche Gegner. Ein Goliath der viele Hans, Peter und Lieschens zertritt bis er endlich auf einen David trifft.
Ich freue mich, dass im Falle des Saftblogs sich Widerstand organisiert.
Weitere kleine und große Fälle der neuen Raubritter, und Feudalherren:
... und die Liste wird immer länger ...
via basikthinking // TAZ-Link via Markenblog
Kurz und knackig, Linktipp im Zusammenhang: Richter mit Humor - hoffentlich bleibts saftig
Entweder oder oder? ... der Businessblogger zwischen allen Stühlen und ganz nach gusto immer im Unrecht? Guter Beitrag hierzu bei Arne Trautmann im Law-Blog: Schneller Höher Teurer: Abmahnen als olympische Disziplin