Urheber und Recht … recht happig

Jeder Kreative ist auf den Schutz des Urheberrechts angewiesen, will er für seine Leistungen angemessen vergütet werden. Ohne drakonische Strafen, ohne eine gewisse Abschreckung erreicht man nichts. Roberts Forderung man möge doch vorher einmal Anrufen — 1 Euro : 5.000 Euro ... ist sicherlich löblich und verständlich bei der Betroffenheit. Doch wäre es üblich vorher anzurufen, so wäre wohl auch das folgende Schulhofgespräch Alltag:

Schüler 1: Ich habe jetzt meine eigene Website.
Schüler 2: Cool. Ich auch. Habe da Bilder von Katie Price drauf. Echt scharfe Teile.
Schüler 1: Das ist aber doch verboten.
Schüler 2: Ja, aber erst müssen sie mich finden und wenn sie dann anrufen, nimmst Du sie runter und andere rauf. Müssen ja eh ab und zu neue Bilder drauf.

Vielleicht aber sollte man eine Kennzeichnungspflicht einführen, die sich auch auf den Dateinamen bezieht, so dass auch die Google Bildersuche dies Berücksichtigen kann und eine Länderkennung wäre nicht von schlechten Eltern.

Es tut gut mal wieder das finanzielle Risiko bewusst zur Kenntnis zu nehmen. Sind doch unter den Bloggern sehr viele, die ebenfalls ein sehr gespaltenes Verhältnis zum Urheberrecht haben. Ich nehme mich da nicht aus. Bei all den Bemühungen um Digital rights sind wir nicht mehr weit entfernt vom Gehirnchip, der die Gedanken auf Urheberrechtsbrüche prüft und originäre Gedanken in eine Datenbank überträgt, um diese für die wirtschaftliche Verwertung nutzbar zu machen — eine gruselige Vorstellung. Aber?! Erst vorgestern war mir die Verwendung meiner Idee ohne mich an den Früchten der Idee angemessen zu beteiligen äußerst unangenehm aufgestoßen.

Es gibt kein dazwischen. Wenn der Kreativität ein Wert beigemessen wird und diesem Schutzrechte über Jahrzehnte zugesprochen werden, dann ist die Konsequenz, dass wer diese Rechte nicht achtet, sich nicht mit dem Verwerter in Verbindung setzt, sich nicht darum kümmert, wer die Lizenz zur Verwertung legitimer Weise hat, eine fette Rechnung riskiert und sich darüber nicht wundern darf.

Da im Internet keine Landesgrenzen unmittelbar erkennbar sind und im Kopf kein gefestigtes Wertesystem in Bezug auf geistiges Eigentum existiert, werden noch viele in die Falle tappen. Ich bin mir selbst uneins, ob ich mich entrüsten oder "Recht so!" rufen sollte.

Übrigens trotz der nun recht teuren Erfahrung gestatten die Eltern ihrem Sprößling den Betrieb eines Forums und liest man die Texte auf der Impressum-Seite auf to-you.de so erweckt es den Anschein, als habe sich der Betreiber recht intensiv mit Online-Recht auseinandergesetzt. Ob sich Mario A. und seine Eltern bewusst sind, welches finanzielle Risiko man damit eingeht? Ich habe meine Zweifel. Und nein nur weil man einen Betrag nicht mit einmal bezahlen kann, heißt das nicht dass man Insolvenz beantragen muss. Es heißt aber, dass man sich um ein Einkommen bemühen muss und Ratenzahlungen anbieten. Auch für ein Insolvenzverfahren ist dieses Verhalten angebracht. Denn erst wenn sich die Parteien nicht einigen, kommt es überhaupt zur Insolvenz und ein ernsthafter Zahlungswillen ist bei dem Versuch einer Schuldbefreiung nach 5 Jahren hilfreich.

Fazit: Auch nach über 10 Jahren haben wir noch kein vernünftiges und den Bedürfnissen der Gesellschaft und des Individuums angemessenes System etabliert. Die Veränderungen im Urheberrecht des letzten Jahrhunderts verschärfen das Problem mehr und mehr.

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Abgelegt unter: Ethik, Plagen

5 Responses to “Urheber und Recht … recht happig

  • 1
    rufus t. firefly
    April 12th, 2006 09:50

    inso ist das stichwort. keine schlechte idee, da kann sich manch einer, der schon so klamm ist, dass ihm alles weitere scheissegal ist ein zubrot verdienen, dass er die verantwortung übernimmt.

    gabs schon zu kaisers zeiten, nannte sich sitzredakteur. das war einer, der dafür, dass es verantwortlich im sinne des pressegesetzes zeichnete, ganz gut bezahlt wurde, um eben im fall der verurteilung wegen pressvergehens auch einzufahren und die strafe abzusitzen.

  • 2
    MacTVs Blog
    April 12th, 2006 16:52

    [...]  siehe mehr >  zum Thema auf silkester.de | Urheber und Recht … recht happig & sichelputzer.de |Urheberrecht von Bildern [...]

  • 3
    hundeblick
    April 13th, 2006 08:51

    Hallo Silke,
    Dein Artikel ist eine wahre Wohltat. Danke, dass Du nicht undifferenziert mit dem Bloggerzeitgeist schwimmst.

  • 4
    Kurt
    April 13th, 2006 09:17

    Hallo Silke,

    Bei Robert Basic machst Du es dir etwas zu leicht mit der pauschalen Beurteilung das Falles Mario Alka.
    Mit dem Satz
    “Ich kenne nur Jugendliche wie Erwachsene, die wissen ganz genau was sie tun und es kümmert sie nicht.”
    packst Du sie alle in einen Topf.

    Nein, sie wissen immer noch nicht, was sie tun.
    Das kannst Du sehr schön am Impressum sehen, wenn da so ein netter Bezug zu einem Urteil des Landgerichtes Hamburg steht . . .
    Schau mal genau hin bei Mario. Der Junge hat da ohne großes Nachdenken den Unfug woanders abgeschrieben abgeschrieben, aber verstanden hat er das offensichtlich nicht! Auch nicht die anderen, sinnvolleren Passagen.

    Seit Gründung der Hamburg.de GmbH & Co.KG Ende der 90iger Jahre beobachte ich das dilletantische Verhalten selbst staatlicher Stellen, welches die Jugendlichen ja regelrecht mit Lockvogel-Angeboten in die illegale Warez-Szene hinein lockte.
    Da bot http://www.Hamburg.de doch glatt satte 20 MB FTP-Homepageplatz kostenlos und ohne jegliche Verifikation bei der Registrierung an!
    Also fleißig 10 mal registrieren und ich habe runde 200 MB Platz für Programme, Bilder und MP3-Files zur Verfügung.
    Die Warez-Szene freute sich und die Macher der staatlichen Internetpräsenz Hamburg.de hatten taube Ohren, wenn sie von engagierten Bürgern auf diesen Mißstand hingewiesen wurden.

    Die ganze Daten-Klauerei war ja auch nicht immer sehr nachteilig für die Wirtschaft . . .
    Die Programme, die die Kids zu Hause illegal benutzten, verlangten sie später von ihrem Arbeitgeber als Arbeitswerkzeug in der Firma.
    Das wurde von den geschädigten Firmen teilweise als recht lukrative Werbung gesehen.

    Rate mal, warum Microsoft nicht so rabiat mit den Jugendlichen umgeht, wie es einige abmahnende Firmen heute in Deutschland tun.

    Mein Vorschlag:
    Führt ein Zentralregister für Urheberrechtsverstöße ein (so analog zum Punkte-Register für Autofahrer in Flensburg).
    Dann lasse man beim ersten Mal Milde walten, wenn es angebracht ist, und zeige die Finanz-Keule deutlich, die im Wiederholungsfalle zuschlagen wird.

    Kurt

  • 5
    Silke Schümann
    April 13th, 2006 11:07

    @Kurt
    hast Du verstanden, was in dem Urteil steht?

    Mario A wurde keine Strafe auferlegt. Er bezahlt für die Nutzung der Bilder. Er hat etwas aus dem Laden genommen und nicht gefragt, ob er das so auch tun darf. Er hat angenommen, dass das so ist und das obwohl er auf der eigenen Seite darauf verweist, dass das Mitnehmen ohne zu fragen nicht erlaubt ist. Auch der Begriff der Privatkopie ist keinem verborgen geblieben.

    Nein, ich sehe in der Aufregung speziell vorallem die Angst, sich selbst mit ähnlichen Kosten konfrontiert zu sehen.

    Ich sehe insgesamt ein Problem mit dem Urheberrecht und das nicht erst seit gestern.

    Da wir nicht in einer Traumwelt leben und Verwertungsrechte nun einmal so sind wie sie sind, kann man sich auch daran gewöhnen und statt copy&paste zu kultivieren und zu verteidigen. Dass dabei die Gesellschaft insgesamt leidet … nunja scheint als müssten wir erst durch diese schwarze Ära durch, bevor es besser werden kann.

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