PR-Gau in der Lüneburger Zeitung
Hat die Lüneburger Zeitung ADSENSE im Einsatz?
Sehr prikante Kombinationen von Werbung und Beiträgen kennt man von Adsense, wo blind zu Stichworten Werbung eingeblendet werden und dann auch schon einmal Werbeeinblendungen wie der folgende als Kollateralschaden hingenommen werden. Im Print sollte man meinen lesen die Mitarbeiter ihre eigene Zeitung und viele verantwortliche Mitarbeiter sehen, was da an vernetzten Informationsbrocken entstehen.
Wenn also eon dafür wirbt, dass Sie bald das Gas aus Rußland in Deutschland verkaufen, dann ist es eine "nette" Geste der Zeitung zu zeigen, was man mit Gas alles machen kann. Das nennt sich ADSENSE und führt laut Studien zu höheren Umsatzzahlen. Was aber schon im Internet nicht stimmt, wenn man die Zahlen dort betrachtet, denn bei ADSENSE werden nicht Themen zugeordnet, die auch wirklich passen, sondern nach Stichworten wild zusammengeschaufelt. Wobei eon sich für diese Anzeige natürlich auch einen unglücklichen Tag ausgesucht hat, denn es ist der offizielle Gedenktag, der der Befreiung Ausschwitz gewidmet wurde. Nimmt man nun noch hinzu, dass Lüneburg und Lüchow und genauer Gorleben mit dem Atommüll-Endlager eine besondere Gegend ist, die von der Stromindustrie eine besondere Zuwendung erhält, könnte man darin sogar eine gewisse Absicht vermuten. Aber das ist etwas für Verschwörungstheoretiker und die kleine Agentur am Rande der Stadt, das sollte man nicht wirklich ... oder ... andererseits ist der 27. Januar 1945 nicht wirklich fest in unseren Köpfen verankert, so dass selbst in den PR-Abteilungen der Gas- und Chemiewerken, dieser Tag nicht rot markiert ist, an dem man den Ball lieber etwas flacher hält. Und wie man an diesem Beispiel sehen kann, am besten auch in der Wochenendausgabe vor dem 27. Januar.
Was im Netz wegen des blinden Automatismus verziehen wird, kann kaum verziehen werden, wenn dies bei gewöhnlich manuellen Vorgängen geschieht. Wenn man den groben Schnitzer der Lüneburger Zeitung sieht, dann gewinnt man den Eindruck, dort wird ebenfalls schon ADSENSE eingesetzt und keine Redaktion liest mehr die eigene Zeitung von A-Z vor dem Erscheinen. Kein Mensch greift aus der Druckermaschinen die noch feuchten Blätter und wirft ein Auge drauf.
Jedenfalls ist das wohl einzigartig und die Form der Erinnerung, dass man wenn man eine Anzeige bucht, vor der endgültigen Freigabe deren Platzierung prüft. Das mag bei kleinen Anzeigen die Zeitung in Schwierigkeiten bringen, was die Geschäftsprozesse betrifft, denn wenn erst einmal die Anzeigenkunden ihr Veto einlegen und dieses und jenes nicht wünschen, kann das ein Zeitfresser sein, der nicht hinzunehmen ist. Bei eon aber ging es nicht um die kleine Minianzeige. Da wurde bei der Zeitung eine große rote Anzeige gebucht, die nicht zu übersehen ist und auch nicht der Kontext.
Das ist so herrlich, dass ich das in meinem Weblog als Erinnerung brauche, auch als Hinweis, warum es Sinn macht, bei Werbung _NICHT_ blind mit der Gieskanne alles zuzupflastern.
Wie heißt es so schön auf meiner Startseite:
Alles ist Kommunikation!
Unser sensorisches und limbisches System reagiert auf die kleinste Wahrnehmung, die kleinste Veränderung und ganz gleich, was wir beschließen und was wir tun, wir gestalten unsere Umgebung und geben ihr damit Ausdruck.
Folgende weitere Weblogs kommentieren diesen PR-GAU:
- Die Tagessau
Mit einem Zitat aus Greenepeace zum Unternehmen eon - Großblogbaumeister
Der den Beitrag schon wieder herausnimmt, weil die Lüneburger Zeitung sich entschuldigt hat. - Basic Thinking
- Formsache
Mahnung an Placement-Controlling - BooCompany
- Nachtrag: Tree huggin pussy
Mit der Stellungnahme der eon AG, was sich übrigens nicht mit meiner Erfahrung deckt, aber ich schalte ja auch nicht landesweit in jedem Kreisblättle 1/4-Seiten anzeigen ... - Sven Scholz
Ich muss sagen, meine erste Reaktion war auch ein schallendes Lachen und wie sagte eine gute Freundin stets: wenn ich lache, ist es mir ernst. Der Fauxpas ist gut für einen Scherz, auch wenn er schon sehr makaber ist und man angesichts der Ereignisse damals beim zweiten Gedanken stiller und bedrückter wird.
-Stichworte: Werbung
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Konterpropaganda 


January 27th, 2006 13:21
Heikle Werbung mit AdSense-Charakter
Am 21/22. Januar 2006 erschien in der “Landeszeitung für die Lüneburger Heide” ein Artikel mit dem Titel “Von Lüneburg nach Auschwitz”. Anlass war der 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.
Am gleichen Tag wurde durch…
January 27th, 2006 23:22
Eine klitzekleine Korrektur hätte ich da noch: Die Zeitung erschien am letzten Samstag als Wochenendausgabe für den 21./22.1.06. Den Gedenktag hat man damit nicht getroffen.
January 28th, 2006 00:05
Ich hatte es schon bemerkt. Mir ist bewusst, dass ich einen anderen Eindruck erwecke. Besser wäre es “um den 27. Januar” zu schreiben. Ich nehme die Anregung gerne auf und optimiere den Text.
January 29th, 2006 20:24
Der 21.1. – Erscheinungstag der Zeitung ist doch einige Tage vom 27.1. entfernt. Und bei Gas denke ich immer noch an meine Heizung im Keller.
Wie ist das mit den der besonderen Zuwendung erhält? Finanziell kann das nicht sein. Lüchow-Dannenberg ist die Region mit den höchsten Schulden in Niedersachsen und die Bürger des Landkreises haben gerade für die Selbstauflösung gestimmt. Und wenn das ironisch gemeint war, dann ist wohl weniger die Stromindustrie am Atomklo schuld, als die Politik.
Wie jetzt die blogs diese Peinlichkeit und unglückliche Platzierung kommentieren, daran kann sich die BILD eine Scheibe abschneiden. Vor 3 Jahren wäre diese Zeitung Montag in das Altpapier gekommen und der Fall wäre vergessen. Im übrigen hat sich die Zeitung es selbst gemerkt und sich entschuldigt und eon ist es auch peinlich.
Im übrigen ist das passiert, weil Redaktion und Anzeigenabteilung getrennt sind. Das nennt man auch jounalistische Unabhängigkeit.
Es macht zunehmend weniger Spass, blogs zu lesen. Mit welchem Geifer da Säue durchs Dorf getrieben – wie gesagt: Das ist Boulevard-Niveau. Auch wenn man es als schlechtes Beispiel für Werbeplaner hinstellt.
January 29th, 2006 20:40
Ich kenne das Gerede über die Zuwendungen von Bewohnern des Nachbarortes von Gorleben, aber stimmt schon, das ist Boulevard. Jener Teil war für die Verschwörungstheoretiker geschrieben und nicht sehr ernst gemeint, aber vielleicht hätte ich das klarer mit Ironie-Tags Kennzeichnen sollen.
Trennung von Anzeigen und Redaktion?
Das ist ja wohl ein Witz, oder? Ich kenne von den meisten Verlagen anderes und nicht weil es dabei immer um Klüngeln des Klüngelns wegen geht, sondern um das Überleben des Verlages.
Und Trennung hin oder her, pardon, aber da gibt es ein Verlag, der das nicht zum Spass herausgibt, sondern damit Geld verdienen will.
Und was heißt selber gemerkt? Doch wohl etwas spät. Spätestens bei der Druckerei am Band hätte man es stoppen können, das wäre vermutlich günstiger als das, was jetzt passiert ist.
Was das vergessen anbelangt, das geschieht auch im Internet. Spätestens bei der nächsten großen bloggenswerten Geschichte wird es verdrängt.
Und auch bei der Bild konnten so manche Personen des öffentlichen Lebens erleben, wie gut das Gedächtnis einer Pressedatenbank ist. Ist es da nicht fair, wenn eine Zeitung das am eigenen Leib verspürt. Ich gestehe es fühlt sich nicht gut an. Im kleinen kann ich es durchaus nachfühlen, da am eigenen Leibe verspürt.
January 29th, 2006 21:02
Übrigens ich denke sehr wohl bei dem Wort Gas auch an Gaskammer, auch wenn ich e.on nicht immer damit in Verbindung bringe
dann schon eher mit dem elektrischen Stuhl. Übrigens
January 30th, 2006 13:08
[...] Ich war wieder einmal nicht zimperlich und griff Gerede von hier und dort auf und mischte es in einen Beitrag, der nun prominent auf erster Seite steht. Nun die Flagge von Trennung von Anzeigen und Redaktion höre ich, doch pardon, hier haben verschiedene verantwortliche einfach geschlafen und verschiedene Endkontrollen fanden nicht statt. Beide Seiten scherte es wenig, hauptsache möglichst viele sehen die fette rote Anzeige. Und Assoziationsketten liegen nun einmal auch nicht der Hand des Senders, sondern nun mal im Kopf des Empfängers. Und einmal Provoziert folgt dann auch ein “Mix it, Baby.” Dass dann Giftspritzen verabreicht werden und kein elektrischer Stuhl im Spiel ist, ist da vollkommen egal, denn das läuft schneller ab, als man “ups” sagen kann. [...]
January 30th, 2006 15:55
Werbung, AdSense und dieses Blog
Man stelle sich nur vor, diese Geschmacklosigkeit wäre nicht einer Tageszeitung, sondern einem Blogger unterlaufen. Nicht auszumalen, wie groß das Wehklagen der alten Medien gewesen wäre über diesen Super-GAU medialer Kommunikation.
Die Verärgeru…
January 30th, 2006 21:19
[...] …verwirklicht die Lüneburger Zeitung. Das jüngst bei Silkester.de publik gemachte Schulbeispiel einer werblichen Kontext-Entgleisung läßt sich vernünftigerweise jedenfalls nur so erklären, daß Anzeigenabteilung und Redaktion sich tatsächlich in keiner Weise koordinieren und offenbar auch niemand eine Schlußkontrolle der Platzierung von Werbeinhalten vornimmt: [...]
January 31st, 2006 14:35
http://www.ice-blog.de/blog/news/www/eon-auschwitz-relevance-ads
Was ich an dem Thema aber viel interessanter finde: Wer sorgt dafür, dass so etwas nicht sogar ganz automatisch bei der Verwendung von content-sensitven Werbeinblendungen, wie Google AdSense oder ebay Relevance Ads passiert?
February 2nd, 2006 19:00
Meine Erfahrung sagt mir folgends: so ein Unfall kann uiemlich leicht vorkommen. denn, diereadktion gibt der anzeigenabteilung das Textvolumen vor, die Anzeigenabteilung addiert das Anzeigenvolumen dazu und setzt dann die Zeitung zusammen. Dabei sieht die Anzeigenabteilung nicht, wo welcher Artikel steht. Sondern im Normalfall nur das Ressort. Der Redakteur müsste iegntlich bemerken das es sich um die E.On Anzeige handelt und dagegn handeln, aber: Im Normalfall sieht der redakteur nur den Anzeigentitel sprich EON nicht aber den ganzen Inhalt. Somit liegt der Fehler beim Setzer, der alles digitalisiert und von grober in feine Form bringt. Passieren kann das aber überall.
February 3rd, 2006 14:23
[...] [Nachtrag, 03.03.06] Silke hat zu diesem Malheur der Lüneburger Zeitung einen feinen Artikel geschrieben. [...]
March 13th, 2007 12:53
ich würde den artikel gerne mal lesen…kann ihn jedoch niergends finden…..kann mir dabei kjemand helfen? Das wäre sehr freundlich !
MfG Nicole
March 13th, 2007 14:20
Landesbibliotheken archivieren jede Zeitung auf Mikrofilm. damit muss man nur die Ausgabe vom 21./22. Januar 2006 aus dem Archiv heraussuchen.