5 Antworten zu Weblog-Erfolgsfaktoren
Martin Röll wurde interviewt und poltert "Unfug". Na, wenn das nicht danach ruft, hinterfragt zu werden ...
- Corporate Weblog' geschrieben und gestaltet sein muss, damit es erfolgreich ist?
Martin Röll meint dies sei eine dumme Frage und Anwortet mit einem "Unfug":
Ein Weblog ist ein Werkzeug. Nicht mehr.
Wie es zu nutzen ist, hängt vom Ziel ab.
So klar und eindeutig mag ich diesem Urteil nicht folgen, auch wenn er natürlich recht hat mit der Aussage, dass ein Weblog ein Werkzeug ist. Und die Ziele, die man damit erreichen kann, werden vom Weblog, also dem Werkzeug mitbestimmt.
Ein Weblog kann ein ganzes Werkzeugset beinhalten. Betrachten wir das Werkzeugset:
- Der neuste Kurzbeitrag steht an vorderster Stelle und in vielen Fällen enhält er Links nach außen zu anderen Beiträgen des Netzes. Dann und wann enthält er nur eine kurze Momentaufnahme und dann wieder einen groben Abriß zu einem Thema.
- Ich kann Kategorisieren und diesen Kurzbeiträgen verschieden Sortierungen zuordnen. Manche dieser Kategorien und Stichworte reichen mit der Technik hinaus in zentrale Dienste, die diese wieder mit anderen, dei diese Stichworte und Kategorien auch verwenden in einen Pool gleichartiger Themen zusammenfasst und zugänglich macht.
- Über einen Standard lasse ich zu, dass uniform ohne individuelle Auszeichnungen sich mein Text gleichwertig neben andere Texte stellt. Ich stelle RSS-Diensten und Werkzeugen die Möglichkeit zur Verfügung, dass dies Inhalte verstärkt in die Kontrolle anderer übergeht. Mehr als bei jeder konventionellen Homepage noch.
- In einem Weblog werden fremden Menschen die Möglichkeit geboten sich zu beteiligen. Einmal durch einen Kommentar, bei dem sich der Kommentierende quasi in die Wohnstube des Weblogs begibt und via Trackback, bei dem alle Leser in die Wohnstube des kommentierenden Weblogs geladen werden.
- Die vielen Kurzbeiträge, die in der Laufe der Zeit zusammengetragen werden bleiben verfügbar und sind noch nach Jahren abrufbar.
- Zusätzlich können feste Seiten mit Listen, Erläuterungen und Aufsätzen dem Weblog beigestellt werden.
Das ist schon ein beachtliches Werkzeug und obwohl es den oder die Weblogbetreiber in den Mittelpunkt stellt, ihm ein Podest im Internet gibt, von dem er seine/sie ihre Meinungen, Essays, Links und Witzeleien in Welt verkünden, wird sehr massiv zum Ausstausch und Mitmachen eingeladen. Ein Webblog bietet viele Haken und Ösen und nutzt viele Haken und Ösen, um sich mit anderen zu verbinden. Aber bei allen Haken und Ösen vergißt das Weblog nie mitzuteilen, dass dieser Beitrag von jenem einen Weblog mit jenem einen Brand oder privater ausgedrückt mit jener einen Identität kam.
Es ist ein Werkzeug, dass den Regeln menschlicher Kommunikation sehr eng folgt. Es lauscht und antwortet, es sinniert und reflektiert, es können streitbare Inhalte sein oder schlichtende, es können lehrende Inhalte sein und es kann einen Lernprozess wiederspiegeln.
Ein erfolgreiches Corporate Weblog greift diese kommunikativen Elemente auf und nutzt diese, um die dem Weblog entsprechenden Ziele zu erreichen.
Was macht ein Buch erfolgreich? Diese Frage wird jeder für sich unterschiedlich beantworten. In den Augen eines Unternehmen wird es immer noch mehrere Antworten geben. Der Verlag wird sagen wenn es sich gut verkauft. Der Unternehmer der ein Buch als Werbegeschenk nutzen will, wird sagen, wenn sich der Beschenkte lange an mich erinnert und wir so immer einen Anknüpfungspunkt haben von dem aus in den nächsten Auftrag übergeleitet werden kann und der Meister der ein Lehrbuch sucht wird, sagen dass das Buch erfolgreich ist, wenn seine Lehrlinge damit die Wissensstoffe präzise und leicht lernen können.
Ein Weblog ist in den Augen des Unternehmens erfolgreich, wenn Investoren zum Unternehmen eine Beziehung aufbauen und weniger anfällig sind für Gerüchte um das Unternehmen. Ein Weblog ist erfolgreich, wenn es rund um die Produkte im Gespräch ist und dafür sorgt, dass das Image des Unternehmens und seiner Produkte im Wert steigt und das Weblog ist erfolgreich, wenn Fehlentwicklungen in Entwicklungs- und Lernprozessen frühzeitig erkannt werden können, weil in den Dailies neben der Selbstreflektion auch die Möglichkeit der Supervision steckt.
Soweit es mich betrifft, ist das schon eine recht gute Antwort auf die Frage, was macht ein Weblog erfolgreich, auch wenn es keine eineindeutige Antwort ist und kein Patentrezept anbietet.
Was macht ein Weblog erfolgreich? In Stichworten: Dialogbereitschaft, Relevanz, Witz, Klarheit, Offenheit, Polarisierung, Statuspluspunkte, soziale Integrationsfähigkeit, Respekt und Repektlosigkeit (Respekt gebenüber der Peergroup und Respektlosigkeit gegenüber gemeinsamen Feindbildern) ...
- Sagen Sie mir auf einer Skala von 1 bis 10 für wie wichtig Sie folgende Faktoren halten: Aktualität.
- Weblog als Publikumsmagnet: 10
- Weblog im Investor-CRM: 6
- Weblogs im eLearning: 5
- Weblogs als Memoboard: 10
Die Liste mag man fortsetzen, aber man kann Sie durchaus beantworten, wenn man will, wenn auch wieder nicht eindeutig.
- Sollte es persönlich geschrieben sein?
Hier lautet meine Antwort eineindeutig: Ja. Nicht weil das irgendeine Vorschrift so vorsieht, sondern weil ich der Ansicht bin, dass interaktive Kommunikation besser klappt, wenn man nicht mit einem trockenen Lehrbuch oder einer aalglatten PR-Meldung konfrontiert wird.
Wer spricht schon gerne mit einem kalten, gefühllosen Objekt? Und eines der stärken des Weblogs ist die Kommunikation. Das Werkzeug Weblog ist darin stark und wenn man etwas anderes sucht als interaktive Kommunikation, sollte man überlegen, ob nicht andere Webformate geeigneter sind oder generell, ob man Kommunikationswege außerhalb der Techniken des Worldwideweb sucht.
- Sollen nur Unternehmensinformationen oder auch andere Nachrichten drin stehen?
Soziale Bande entstehen nicht, wenn man sich auf Sachthemen beschränkt. Ich betrachte Weblogs primär als ein Instrument der Kommunikation untereinander. Es sind die Haken und Ösen, die Weblogs zu einer Gemeinschaft schmieden, die deren Popularität ausmachen. Wieder ein eineindeutiges: Ja. Natürlich kann ich die Technik eines Weblogs für andere Webformen nutzen. Doch wenn ich mich zu einem Weblog entschließe, dann weil es viele Leinen mit Haken auswirft und viele Ösen bietet, dass andere ihre Haken darin schlagen können.
Letzlich schauen wir mit der Weblogbrille in Richtung Unternehmen und nicht vom Unternehmen weg auf eine Problemlösung oder Optimierungsmöglichkeit für Unternehmenslösungen. Dieser Blick mit der Weblogbrille ist wichtig, damit man beim Blick in umgekehrter Richtung es leichter hat, Fragen nach Nützlichkeit und Funktionalität schneller und leichter zu beantworten.
- Soll der Autor auch was von sich schreiben?
Siehe oben. Ganz ohne den kleinen Smalltalk, in dem auch einmal etwas Persönliches vorkommt wird man sich wiederrum schwer tun, dass eine Beziehung entsteht. Ja. Siehe die letzte Frage. Wie privat es wird und wie intim, wird sicherlich von der Persönlichkeitsstruktur der Weblogautoren abhängen und von dem Leserkreis, dem Einblick in das Weblog gewährt wird.
Man kann laut Unfug poltern. Man kann aber auch die Perspektive ein wenig verändern und sich bemühen bestmöglich zu antworten. Abkanzeln und mit "dumme Frage — Unfug" es abzutun, zeugt von Dialog-Unwilligkeit. Warum also überhaupt in die Tasten hauen? Warum nicht gleich darum bitten, dass man sich einen anderen Gesprächsparter suchen möge?
-Stichworte: Über-Weblogs
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Konterpropaganda 


January 31st, 2006 13:54
Silke, das ist ja nett, wie Du da konstruktiv antwortest, nur gehst Du von ganz bestimmten Weblog-Arten und Kommunikationszielen aus und antwortest _dann_ wie das Weblog auszusehen hat. Das kann man machen, hilft aber dabei, etwas über Weblogs an sich rauszufinden, gar nicht weiter.
Wenn nach solchen Teilbereichen gefragt wird, gebe ich gerne nette, konstruktive Antworten. Bei platten Herangehensweisen, die zeigen, dass der Fragesteller die Grundlagen des Themas nicht verstanden hat, hilft das aber nicht weiter – wenn man an dem Thema grundsätzlich interessiert ist.
In diesem Telefonat bin ich übrigens, glaube ich, auch konstruktiv geblieben und habe erklärt, warum die Fragen, die gestellt wurden, für die gegebene wissenschaftliche Fragestellung nicht hilfreich sind. Und, wie ich auch schrieb: Ich bin sehr gespannt, was sie draus macht. Warum sollte ich dem Dialog ausweichen? Ich kann davon nur lernen.
January 31st, 2006 14:22
Ich denke nicht, dass ich von einer bestimmten Art Weblog ausgehe. Denn ein Weblog wird durch deren Technik _und_ durch deren zugrundeliegenden Kultur erst zu einem Weblog.
Ich denke wie Du bei Weblog an ein Werkzeug und wie der Hammer für Nägel gebraucht wird, so wird das Weblog für interaktive Kommunikations genutzt, ob selbstreflektieren im Dialog mit sich selbst (in Corporate Blogs selten gebraucht.) oder in Gruppen, wie auch immer man diese definiert.
Ich schließe Weblogs als reine Technik bei dieser Frage aus, denn das würde in der Tat zu keinem Ergebnis führen, aber an sonsten denke ich, ist es legitim diese Definition klar zu setzen. Ich sehe die Kultur des Weblogs als Folge der Technik, wobei die Technik sich aus der Kultur heraus weiterentwickelt hat und dadurch ist das Weblog auch sehr klar in einen Kontext eingebettet, den ich mir erlaube nur in eigens dafür geschaffenen Gedankenmodellen und Fragenkomplexen zu Hinterfragen oder einmal spaßeshalber auszuklammen.
Der Kontext damit Weblogs Sinn machen, geht immer von mehreren Weblogs aus und von der Interaktion der Weblog-Autoren. Je nach Publikationsrahmen kommen dann noch Zaungäste dazu, manche, die sich zu Wort melden und andere die einfach nur lauschen und schüchtern schweigen.
Was das Interview selbst anbelangt, so hast Du es im Weblog nicht zum Diskurs öffentlich gemacht. Den Teil, den Du öffentlich machtest, hast Du in einem sehr unkommunikativen Stil gehalten und deutlich kommt Deine abgehobene Haltung durch. Die Wahl des Gesprächkiller “Unfug” war Deine nicht meine. Da diese Studie zum Zweck der Einführung eines Weblogs dient und Weblog-Experten befragt, kann man sich natürlich fragen in wie weit man überhaupt kooperativ antworten will, oder zunächst einmal eine Auftragbestätigung schreibt.
Als Publikation ist es weder eine Einladung für Unternehmen noch steht es Dir als Kommunikationsprofi besonders gut. Es ist menschlich und für Weblogleser, die diese emotionalen Ausbrüche geringer bewerten sicherlich nicht weiter tragisch. Bloggisch eben.
Ich bezeichne es eine Respektlosigkeit gegenüber Deiner Zielgruppe, auch wenn die Respektlosigkeit bei einem Großteil Deiner Leserschaft positiv aufgenommen und im Echochamber verstärkt wird.
Es ist ein hohes Podest von dem Du hier Unfug polterst. Es hat mich einfach gereizt, darauf zu reagieren.
January 31st, 2006 15:58
[...] Eine interessante Diskussion zum Thema “Wie muss das Weblog aussehen, damit es bei einer Firma zum Erfolg wird” läuft zurzeit auf roell.net und auf silkester.de [...]